Freitag, 24. April 2026

                                                                         TRÄUME


Von Gerhard Bächlin

 

Traum = wach gebliebene Zellen (WIKI).

Ein Traum ist das psychische Erleben von Bildern, Emotionen und Szenen während des Schlafs, oft als halluzinatorisch lebendig empfunden.

Träume verarbeiten Tagesereignisse und Emotionen und dauern oft 15 bis 20 Minuten. Sie gelten als veränderter Bewusstseinszustand, der für die Psyche funktional ist.

Nun zum Traum als Erlebnis oder Fantasie.

TRAUM: Als kleiner Bub hatte ich oft eine Art Albtraum, oft denselben, erwachte, hatte Angst, stand auf und holte Trost bei den Eltern.





 


Von Doris Plüss

 

Ich liege im verschiedenen grün gefärbten Gras, umgeben von bunten Blumen, auch die in allen Farben, umschwärmt von farbigen Schmetterlingen, Bienen, Wespen, Fliegen und sogar tummeln sich die verschiedenen Freunde der Biene Maja wie der Grashüpfer Flip, die faule Drohne Willi und viele, viele andere Wesen in Gras. Der Himmel ist wolkenlos blau und die Sonne wärmt mich angenehm. Sogar eine Schildkröte mit einem Frosch auf ihrem Rücken wandert ganz langsam an mir vorbei. In Begleitung von zwei Schnecken. In diese friedliche Stimmung gesellen sich noch BRZPF, die Wichtelfrau aus dem Basler Münster mit ihrem Wichtelfreund. Neben mir liegt mein geliebter Kater Blacky. Es ist alles so friedlich und schön, das kann ja nur ein Traum sein.

            Bewusst wird mir dies, als ich eine menschliche Stimme höre, die spricht von Putin, Netanjahu, von Iran, Irak, von Krieg, von der Meerenge von Hormus, von Benzinpreisen, die steigen und fallen, von einen Trump, der sich plötzlich als heilender Jesus sah. Oh je, ja es scheint ich bin mit meinem Kater vor dem laufenden Fernseher eingeschlafen und habe mich in eine Welt geträumt. Schnell schalte ich diese von Unheil, Krieg und sonstigen weltzerstörenden Mittelungen gefüllte Maschine aus.

            Da kommt mir ein Trösterli in den Sinn! Zwei Hörbücher von Luis Sepulveda sollen mich auf tröstende Gedanken bringen. Das eine: "Der langsame Weg zum Glück", von einer Schnecke, die sich auf dem Rücken einer Schildkröte auf eine lange Reise zur allwissenden Eule machte. Und "Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte". Also zwei Märchen von Tieren, die eigentlich Feinde sind, sich aber in der Not helfen und dabei Freunde werden: Wir sollten uns die Tere zu Vorbildern machen und von ihnen lernen. Doch wahrscheinlich ist und bleibt dies ein unerfüllbarer Traum!





Von Anita Bigler

 

Mit Träumen kann ich nicht viel anfangen, ich finde keinen Zugang zu diesem Thema.

Eigentlich könnte ich etwas Lustiges über meine" Traummänner" schreiben, aber das ist mir zu persönlich, obwohl es mich wirklich zum Lachen und schmunzeln bringt (Heiner Gautschi, Kurt Zurfluh). Aber jetzt: Ich sehe den Film mit Bily Elliot I will dance vom Jahr 2000, da weiss ich sofort: Das war ein sehr grosser Traum!

            Der Film spielt in Nordengland, hier wohnt der 11jährige Billy in einer Backsteinsiedlung zusammen mit seinem Vater, einem Bergbauarbeiter und seinem kräftigen Bruder in sehr einfachen Verhältnissen. Er betreut auch seine alte Grossmutter, weil seine Mutter früh starb. Sein Vater schickt den schmächtigen Billy in die Boxschule, damit er kräftiger wird. Eines Tages übt plötzlich eine Ballettgruppe im gleichen Raum, Billy ist fasziniert von den Tanzbewegungen und geht von jetzt an tanzend durch seine kleine Welt. Aber von da an prallt alles auf ihn ein: Unverständnis, Lächerlichkeit, Hohn und Spott, Verdacht auf Schwulsein und sogar Prügel!

            Aber Billy geht seinen Traum vom Tanzen unbeirrt weiter, dabei wird er von der Tanzlehrerin im Ballett unterstützt, wobei es zu lustigen Verwirrungen kommt. Sie setzen sich gegen alle Widerstände durch, und Billy wird für die Aufnahmeprüfung in London aufgeboten. Seine noch ungelenken, aber sehr hohen Sprünge beeindrucken die Jury. Sein Vater und sein Bruder können nur staunen, dass er wirklich an dieser strengen Ballettschule aufgenommen wird.

            Der Film zeigt seinen Aufbruch von Zuhause in seine neue Tanzwelt. Jahre später wird sein grosser TRAUM wahr, wir sehen ihn als sehr hoch springenden Solotänzer. Damit endet der sehr berührende englische Film von Stephen Daldry, dem britischen Regisseur, er wurde mit drei Oscars ausgezeichnet.






Träume – das nächtliche Labor des Gehirns

 

Von Randolph Christen


Jede Nacht versetzt uns das Gehirn in einen Zustand, der dem Wachsein auf verblüffende Weise ähnelt – und ihm doch grundlegend fremd ist. Was geschieht in diesen Stunden wirklich?

     Die moderne Neurowissenschaft hat das Traumerleben entmystifiziert, ohne es seiner Faszination zu berauben. Träume entstehen vornehmlich im REM-Schlaf, wenn der präfrontale Kortex – jener Teil des Gehirns, der Logik, Selbstkritik und Realitätsprüfung trägt – nahezu verstummt. Gleichzeitig ist das limbische System, Sitz der Emotionen, hochaktiv. Das Ergebnis: eine Welt voller Intensität ohne Filter.

     Neurowissenschaftler sehen in Träumen heute vor allem ein funktionales Geschehen. Das schlafende Gehirn ist nicht passiv, sondern schuftet. Es konsolidiert Gedächtnisinhalte, sortiert Erlebtes, verknüpft neue Informationen mit altem Wissen. Der Traum ist gleichsam die sichtbare Spur dieses nächtlichen Umordnens.

     Eine besonders überzeugende Theorie sieht im REM-Schlaf eine Art emotionale Therapie: Belastende Erlebnisse werden im schlafenden Gehirn erneut durchgespielt, aber in einem Zustand verminderter Stresshormone. Das Gehirn lernt so, das Schwere zu ertragen, ohne von ihm überwältigt zu werden.

     Träume sind also kein Rauschen der Nacht. Sie sind Arbeit – still, notwendig, und bisweilen von rätselhafter Schönheit.






Wunschtraum

 

Von Madeleine Bollinger

 

Viele Jahre träumte ich von einer Reise nach Andalusien. Ich las alles über diese Gegend und besuchte Spanischkurse. Aber eben, es blieb lange ein Traum. Dann aber stand mein 45. Geburtstag bevor, und nun wurde mein Andalusien-Traum fast eine Obsession. Ich wollte drei Monate Urlaub nehmen, musste dies aber selbst organisieren. Es klappte, und es fand sich eine Vertreterin.

            So verliess ich also Zug am 3. April 1978, fuhr zuerst nach Basel zu meinen Eltern. Dort wartete meine 15-jährige Nichte, sie hatte Schulferien und wollte mich bis Barcelona begleiten und dann zurückfliegen.

            Wir fuhren gemütlich durch Frankreich, übernachteten dreimal und erreichten am

Vierten Tag Barcelona. Ein Hotel war nicht leicht zu finden. Ich steckte mitten in der Stadt

und parkierte, um mich zu Fuss zu orientieren. Ich fragte eine Frau, und diese war so freundlich, setzte sich zu uns ins Auto, und in zwei Minuten erreichten wir ein kleines Hotel, das nebenan sogar eine Garage hatte. Diese Frau, Carmen Diaz hiess sie, nahm uns beide sofort in ihre Familie auf. Es war eine wunderschöne Woche mit Familienfesten und Besichtigungen. Dann aber wollte ich weiter. Sabine flog zurück nach Basel, und für mich begann das Spanien-Abenteuer.

            Mein erstes Ziel war ein kleines Fischerdorf am Meer, wo mein Mann und ich 1960 Ferien verbracht hatten. Bei mir hatte ich grossformatige Fotos eines kleinen Restaurants, wo sich mein Mann damals mit Franco-Gegnern getroffen hatte. Junge Leute, ihre Mutter, Fischer und Arbeiter. Es war damals ein grosser Vertrauensbeweis, dass diese Leute sich fotografieren liessen. Mit der Post durften wir diese Fotos nicht schicken, es wäre zu gefährlich gewesen, damals, zu Franco-Zeiten. Nun aber war Franco tot, ich konnte es wagen. Nach langem Suchen fand ich das Café, sogar die alte Frau lebte noch. Als die Familie sah, dass ich ganz allein unterwegs war, wollte sie mich sofort bei sich aufnehmen, ich könne bleiben, solange ich wollte. Am anderen Tag zog ich aber weiter, fuhr ins Innere des Landes, wo es viel ruhiger war als der Küste entlang. Ich lernte viele herzliche Menschen kennen, die sich bemühten, mich so gut wie möglich unterzubringen, in kleinen Pensionen oder Hotels, für meine Begriffe spottbillig.

            So gelangte ich nach Granada. Die Stadt zog mich sofort in ihren Bann. Ich fand ein erschwingliches Hotel (25 Franken für Zimmer/Frühstück) und blieb dort sechs Wochen. An der Uni konnte ich einen Vormittagskurs besuchen, die Nachmittage verbrachte ich in den Gärten der Alhambra oder ich fuhr in der Gegend umher. Die majestätische Sierra Nevada konnte ich in einer knappen Stunde erreichen. Dort fuhr man auch Mitte Mai noch Ski, meterhoch lag der Schnee, und das in Südspanien. - In Granada fand ich viele gastfreundliche Leute, die mich zu sich nach Hause oder zu Festen einluden. Ich genoss diese Wochen in dieser herrlichen Stadt. Ein kleines Abenteuer: Ganz nahe beim Hotel steht das Wohnhaus des Komponisten Manuel de Fala, das besichtigt werden kann. So ging ich einmal hin, war aber die einzige Besucherin an diesem Tag. Der Museumsaufseher führte mich herum, u.a. zum Schlafzimmer des Komponisten. Ich dürfe mich auf das Bett legen, ermunterte er mich. Ich erkannte sofort seine Absicht und verliess das Museum fluchtartig. So verpasste ich die einmalige Gelegenheit, im Bett von Manuel de Falla geschlafen zu haben.

            Mitte Mai verliess ich Granada, blieb eine Woche in Nerja, zog weiter nach Malaga, eine Woche in einem weissen Dorf Andalusiens, Mijas. Langsam musste ich an die Rückreise denken. Ronda und Cordoba wollte ich noch besuchen. Ganz sorglos fuhr ich in die Altstadt von Cordoba mit ihren engen Strassen. Unerwartet geriet ich in eine Gasse, die immer schmaler wurde, ich blieb stecken, links und rechts nur noch wenige Zentimeter Spielraum. Aussteigen ging nicht mehr. Nun plötzlich waren vor und hinter dem Auto viele Leute, die mir mit Gesten und sogar Anheben des Autos halfen, rückwärts aus der Enge zu fahren. Als die Strasse wieder breit genug war, stieg ein junger Mann auf den Beifahrersitz und lotste mich zu einem Parkplatz. So viel Herzlichkeit und Lachen war mir noch selten begegnet. Von der Schönheit der Mezquita war ich überwältigt. Eine riesige Moschee. In deren Mitte bauten Christen nach dem Verjagen der Moros (Mauren) einen Dom; absurd und grossatig zugleich.

            Noch erwähnen möchte ich die Fahrt durch die Alpujarras am Südhang der Sierra Nevada. Armselige Dörfer mit herzlichen Menschen, die mich bei sich aufnahmen, als wäre ich eine verlorene, verlassene Tochter. Über Elche, Murcia fuhr ich nach Teruel, eine Stadt, die unter dem Franco-Regime sehr gelitten hatte. Unterwegs dorthin musste ich in unwirtlichster Gegend, heiß und bevölkert mit Schlangen, ein Rad wechseln. Glücklicherweise hatte ich das vorher in der Schweiz einmal geübt. Und aus einem nahen Dorf kamen viele Leute zu mir, die mit Händen und Füssen halfen. 

            Nochmals ein paar Tage in Barcelona, dann verliess ich das mir so lieb gewordene Spanien. Am 1. Juli musste ich wieder zur Arbeit in der Schweiz erscheinen.






Von Verena Hess

 

Da wir im Oktober 2024 schon einmal übers Träumen geschrieben haben, wiederhole ich weniges aus dem damaligen Text. Auch unser Umgang mit Kl hat sich in der Zwischenzeit

etwas weiterentwickelt, darum zitiere ich zuerst daraus:

Der Traum ist ein inneres Erleben während des Schlafens, ist eine Abfolge von Bildern, Gefühlen und Szenen. All dies meist emotional intensiv, lebendig, halluzinatorisch. Das kritische, logisch prüfende Bewusstsein ist weitgehend ausgeschaltet. Auch sind Zeitgefühl und Realitätssinn sehr abgeschwächt. Träume fühlen sich aber sinnlich-lebendig an. Die

Forschung ist sich nicht einig, warum wir träumen. Es existieren unterschiedliche Deutungsmodelle.

            Früher träumte ich oft und meist habe ich die Träume aufgeschrieben. Das war spannend. Heute schreibe ich nichts mehr auf, trotzdem ich noch immer träume. Da ich heute nach dem Erwachen noch liegen bleiben kann, verwischen sich Traum und Wachzustand oder das Traumgefühl hallt nach. So spiele ich oft mit dem Übergangszustand. Es kann mir gelingen, einen Traum nochmals zum Klingen zu bringen, was manchmal ein wunderschönes Erlebnis sein kann. Wie im damaligen Träumen, schweife ich nun weiter zu den Tagträumen, die mich stets davontragen liessen in eine für mich stimmige Welt. Das nannte man Flucht. Mir öffnete sich damit Unglaubliches. Ich richtete mir in Höhlen, im Wald, in den Bergen und sogar in den Wolken eigene Welten ein und war dort auch glücklich. Diese kleinen Welten erweiterten sich später zum eigenen Zimmer; das absolut Schönste, das es zu erreichen gab, da war ich überzeugt. Erst viele Jahre später las ich, was Virginia Woolf zur Notwendigkeit eines eigenen Zimmers und eigenen Geldes zu sagen hatte. Das verstand ich absolut und sofort, das war für mich geschrieben. Sich einrichten im eigenen Zimmer macht stark.

            Noch ein kurzer Schwenk zur etwas gefährlicheren Schwester des Tagtraums, dem kleinen Rausch. Damit lässt sich wunderbar abheben. Einfach fort und weg. Dazu braucht man weder Flugzeug noch Engel. Man genügt sich selbst. Schwerelos durch die Luft gleiten, natürlich ganz nahe dem Himmel, den du dir nicht mühsam erarbeiten musst. Gleich einem Luftballon, ohne Widerstand, gleitet man lustvoll verzaubert dahin. Man erblickt das Ganze, ohne sich mit Einzelheiten abzurackern. Man hat nur den erhebenden, erfüllenden Überblick über alles, was da seufzt und lacht. Man ahnt Grosses und Ganzes, auch in sich selbst. Doch kleine Räusche, welcher Art auch immer, klingen irgendwann ab. Du beginnst zu fallen. Glücklich ist, wer gut und heil auf sicherem Boden und bei guten Menschen landet.

            Noch fehlt ein richtiger Traum. Einer ist mir in Erinnerung geblieben. Er hat lange nachgeklungen: Ich darf mir irgendwo für einen ganzen Tag (oder für eine ganze Nacht) ein Kostüm auswählen und damit frühere Stationen meines Lebens durchtanzen. Mein altes Ich- Kleid ziehe ich aus, schlüpfe in ein glänzend-farbiges Kostüm, verstecke mich hinter einer Maske und ziehe beschwingt und aufbruchfreudig gestimmt los. In diesem traumtänzerischen, schwerelosen Kleid wage ich es, mich mutig und leicht durchs vergangene Leben zu bewegen. Sogar meine Zauberflöte habe ich dabei. Mit dieser eigenen Melodie tanze ich durch alle Zeiten und Räume, durch alle Freundesgruppen meines Lebens.

Mit meiner Musik spiele ich Dur, spiele Moll und tanze. Menschen aus früheren Zeiten begegne ich mit neuer Leichtigkeit und verändere so manche ungute Erinnerung. Ich geniesse die Freiheit, die mir Kostüm und Maske geben, erobere die alte Welt mit einem neuen ICH. Ich staune, was da an neuer Kreativität fliesst, wie leicht mir früher Schwieriges vorkommt, wie farbig plötzlich alle Begegnungen werden dank des neuen Kostüms. Die Sonne geht unter (oder auf). Ich kehre zurück und entkleide mich des farbigen Kostüms. Ich ziehe die Maske ab. Ich schlüpfe in mein altes Kleid. Ich blicke an mir herunter und entdecke farbige Schimmer des Kostüms an meinem alten Kleid.






Mein Traum

 

Von Vreni Indlekofer

 

Gerne möchte ich Euch etwas über meinen Traum erzählen, welchen ich seit Wochen alle Nacht wieder träume. Dieser Traum ist speziell.

            Ich gehe meist zwischen 18h und 18.30 Uhr ins Bett. Da erhalte ich meine ersten nächtlichen Tabletten, die mich wahrscheinlich sehr müde machen. So liege ich nach den Tabletten da und schlafe meist nach kurzer Zeit ein. Und schon beginnt der Traum langsam zu wirken: Erst kann er freundlich, herzlich oder lustig sein. Je nach dem, was wir den Tag durch erlebt haben. Aber meist wache ich zwischen 22.27 und 22.37Uhr wieder auf. Und da wandelt sich der Traum schon auf eine spezielle Art. Ich habe den Zusammenhang zum vorherigen Traum vergessen und liege nur noch da und träume vor mich hin.

            Jetzt geht es darum, dass ich mir Sorgen mache wegen des Atmens. In mir drinnen rumpelt es ganz enorm und ich kann an nichts anderes mehr denken als an das Atmen. So atme ich sechs, sieben Mal ganz normal und dann wird es langsam streng. Der Hustenanfall kommt dann meist dazu, weil ich ja die Hustentröpfchen nicht mehr erhalte. Der eine Pfleger, den ich habe, hat zwar mit dem Arzt telefoniert, ob das wirklich so sei, dass sich diese Tropfen mit den anderen Medikamenten nicht vertragen. Der Arzt hat gesagt, es könne wohl sein, dass die Verordnung zu hoch gewesen sei; aber er hat betont, dass ich das Recht habe, die Hustentropfen zu kriegen - einfach in einer niedrigeren Dosis als vorher. Nun kriege ich das von den einen Personen wieder, die mich betreuen, aber nicht von allen, und so habe ich immer Angst, was da in der Nacht noch alles passieren könnte. Nach einigen Überlegungen denke ich: «Ach was, ich versuche einfach, weiter in diesem Tempo zu atmen.» Dies gelingt mir sehr oft nicht, dann wird das Schnaufen wirklich schwierig. Es kommt dann zu Atemstössen, und die werden schwerer und schwerer, bis ich denke: «Jetzt kommen noch drei Atemzüge, und dann hab ich alles überstanden.» Ich denke, ich mache drei, vier dieser Atemstösse, und dann denke ich: «Ich mag nicht mehr, ich will jetzt meine Ruhe haben, und mit einem der nächsten Atemzüge werde ich nicht mehr am Leben sein.»             Dies macht mir keine Sorgen, denn ich finde, ich habe ein sehr schönes Leben gehabt, und ich möchte jetzt einfach meine  Ruhe haben und still und ruhig daliegen bleiben können. Die einzige Sorge, die ich habe, sind meine beiden erwachsenen Kinder, aber mit ihnen habe ich bereits gesprochen und sie wissen, dass ich jetzt endlich nicht mehr mag und sie können begreifen, dass ich nicht mehr weiter mag. 

            So ist jetzt dieser Traum bis heute und ich weiss nicht, wann ich die Kraft habe, zu sagen: «Nein, ich mag jetzt wirklich nicht mehr und ich lass es bleiben.» Ich stelle mir dann vor, wie das Leben nach meinem Tod aussehen wird. Pfarrer Wenk hat vor einigen Tagen von einer Weihnachtsgeschichte erzählt, die mir wirklich zu Herzen ging. Es war wohl ein Märchen, aber es hat mir Eindruck gemacht. Die Engel kamen vom Himmel herabgestiegen und haben die Leute da unten geholt. Aber das Ende der Leiter hat man ja nicht gesehen und ich kann mir nicht vorstellen, wie lang diese Leiter sein wird, bis man da oben endlich anklopfen kann. Aber einen Lichtblick gibt es auch da: Ich denke mir, neben der Leiter muss doch auch ein Lift sein mit Menschen mit Atemproblemen, die nicht die hohe Leiter besteigen können. So warte ich getrost ab, bis der Tag kommen wird, da das alles so eintreten wird.

            Euch alle Menschen, die ich liebe, die werde ich nicht vergessen, und an die werde ich dort oben denken, wenn es das denn gibt. Das weiss ich ja nicht. So sage ich Euch schon heute «Ade zusammen und geniesst all die schönen Tage, die Ihr noch erleben könnt.» 

Eure Vreni

 

 

 

 

 

 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 ALLERGISCH Von Gerhard Bächlin   Der Begriff allergische bedeutet einerseits Überempfindlichkeit auf Substanzen, andererseits neurologische...