NATUR
Von Anita Bigler
Die Natur steht in meinem langen Leben an erster Stelle. Sie bestimmte schon immer meinen Alltag.
Zuhause in unserer Gemüse-Gärtnerei war das Wetter massgebend, zu wenig oder zu viel Regen, lange Trockenheiten mit Hitze, alles schadete den zarten Pflänzchen.
Später erlebte ich bei unseren Bergtouren unvergessliche Momente, Sonnenauf- und untergänge bei Übernachtungen in SAC-Hütten, es war einfach spektakulär.
In den Bergen spürt man die Natur intensiver. Beim Frühlingsskifahren hört man schon die vielen Bächlein sprudeln und die ersten Krokusse zeigen ihre Blüten. Eines Morgens tanzen die zahlreichen Bachstelzen über dem Schnee, um Mücken zu fangen, das ist ein Zeichen, dass am nächsten Morgen die letzten Schneeresten in der Erde versunken sind.
Der Föhn spielt ja in einer eigenen Liga, er kann über Nacht aus einer soliden Schneedecke ein "Pflutterhuffe" machen. Im Sommer zeigt er sich als grosses Band, das sich über den Bergspitzen dreht, als Barriere gegen das schlechte Wetter. Die Einheimischen sagen "es haget", also wie ein Hag. Dann gibt es die Wolkenschlange, die aus einem sonnigen, warmen Nachmittag ganz plötzlich ein kalter, windiger Abend macht. Sie schleicht den Bergen entlang von Stans im Kanton Nidwalden nach Engelberg in Obwalden, also nichts Gutes. Es ist vergleichbar mit der Malojaschlange im Oberengadin.
Ich konnte viele Reisen in den europäischen Norden unternehmen, da picke ich ein Erlebnis heraus. Wir landeten mit dem Hurtigruten-Schiff spät abends in Tromsö in Norwegen, dann besuchten wir das Mitternachts-Konzert in der Eismehrkathedrale. Anschliessend standen wir auf dem Vorplatz und sahen hinunter auf Tromsö mit der imposanten, gewölbten Brücke, alles in wunderschönes Licht der Mitternachtssonne getaucht und am Himmel tanzten hellgrüne Schleier, die Aurora Borealis, die Nordlichter. Wir staunten mit Tränen in den Augen.
Es gibt immer wieder diese Augenblicke in der Natur, die einfach wunderbar sind und für die es sich zu leben lohnt.
Von Gerhard Bächlin
K1: Natur bezeichnet die Gesamtheit aller Dinge, Lebewesen und Prozesse,
die nicht vom Menschen geschaffen wurden, einschliesslich unbelebter Bestandteile
wie Wasser, Luft, Naturgas, Erdöl, Berge. Sie umfasst Flora, Fauna und das gesamte Universum. Synonyme sind Umwelt, Schöpfung, Kosmos oder Wildnis.
Der Begriff NATUR ist vielschichtig und wird oft als das "GEGEBENE" verstanden, während KULTUR das „GEMACHTE" ist.
Heute stellt sich angesichts von Übernutzung natürlicher Ressourcen, von Klimawandel und sich häufenden Ereignissen, die nach menschlichen Dimensionen als Naturkatastrophen angesehen werden, zunehmend die Frage, inwieweit die Menschheit selbst als verändernde Kraft zu sehen ist. Seit der Industriellen Revolution greift der Mensch massiv in die Umwelt, sprich Natur ein und löst damit auch unumkehrbare Prozesse aus.
GB: Naturgewalten, Naturkatastrophen raffen Hunderttausende von Menschen weg, Kriege desgleichen. Dennoch steigt die Weltbevölkerung und bedroht die freie Natur, das heisst auch Gebiete in Naturzustand.
Dennoch ist es faszinierend, die Naturgewalten zu erleben und zu überleben. Heutzutage sind manche Aktivitäten wie z.B. Naturgärten, naturbelassene Wälder, Natur- und Bioprodukte usw. im Trend. So hat z.B. Riehen ein Naturbad. Auch haben die Schweiz und andere europäische Länder vor allem Hochgebirge, wo die Natur sich frei entfalten kann. Übrigens: Mein persönliches Naturell führte mich in jungen Jahren zu wöchentlichen Wanderungen und Entdeckungen vor allem im Jura. Später praktizierten wir im Haus mit Garten eine Küche mit Naturprodukten.
Zum Schluss doch noch: Seit 65 Jahren sind meine Frau und ich Mitglied bei Pro Natura Schweiz und Basel. Daher auch unser Engagement für die Natur.
In Riehen, im Birseck und im nahen Elsass hat Pro Natura sich stark für intakte Natur eingesetzt.
Von Doris Plüss
Ein Überfall der Natur im Labor
Vor langer, langer Zeit – ich arbeitete als Laborantin in Forschungslabor des damals noch Bürgerspitals am Petersgraben. Mein Labor war in Parterre, ich hatte Sicht auf den Petersgraben. Wir hatten einen kleinen Hinterhof umgeben mit verschiedenen Pflanzen. Es war ein altes steinernes Herrschaftshaus.
An einem schönen Morgen, ich kam mit verschiedenen Materialien aus dem Hauptgebäude des Bürgerspitals zurück. Da stand eine meiner Kolleginnen mit grossen, entsetzen Augen vor ihrem Labor, das nach hinten in den Garten führte.
"Was ist los?"
"Ich wurde überfallen, ich kann nicht mehr ins Labor zurück!''
"Was? Soll ich die Polizei rufen?"
"Nein, schau mal!"
lch traute meinen Augen nicht! Das Labor war ca. fünf Meter lang, neben der Tür war ein
altes Lavabo noch mit freistehenden Rohren. Es hatte – glaube ich – zwei grosse Fenster. In dem Hinterhof war auch der Eingang zu diesem früher eher vornehmen Einfamilienhaus. Später wurden innen für das Bürgerspital verschiedene Labors eingerichtet. Heute ist es ein Kindergartenhaus. Vor ca. zwei Jahren durfte ich auf meine spontane Anfrage hin das Haus besichtigen. lch erhielt von der Leiterin eine höchst interessante Führung durch eine ganz andere Umgebung, als dass ich sie von früher kannte. Wir konnten uns gegenseitig begeistern. Sie mich durch dieses mit Spielsachen, Rucksäcken, kleinen Schuhen usw. gefüllten alte Gebäude, ich sie durch meine Schilderung, wie es früher vor langer, langer Zeit mal aussah. Zwar hatte sich einiges verändert, doch ich konnte auch einiger aus meiner Zeit wieder entdecken.
Nun zurück in die 70er-Jahre, zum Schreckensmoment meiner damaligen Kollegin, ins Labor im Petersgraben im Parterre. Quer durch diesen Raum vom Boden unter dem Fenster aus bewegte sich eine ca. drei Meter lange Ameisenkolonne. Die einen wanderten Richtung Lavabo, die andern in Richtung zum nicht sichtbaren Riss oder Loch in der Wand am Boden unter dem Fenster, wo die einzelnen Tierchen wieder verschwanden. Langsam wagen wir uns hinein, um zu sehen, was hier eigentlich los war. Wir trauten unseren Augen nicht. Die Kolonne ging unter dem Syphon hoch und endete an einer grossen Traube um einen Tropfen
Hustensirup Es war faszinierend, diesem Spektakel zuzusehen. Doch die Arbeit ruft! Wir wollten diesen Tierchen nicht schaden und sie töten. Also trockneten wir ganz langsam und vorsichtig den Hustensirup weg. Als nichts mehr da war, zog sich die Ameisenarmada wieder
durch die Wand unter dem Fenster zurück. Faszinierend war auch, wie die Ankommenden und die Zurückkehrenden sich gegenseitig immer anstiessen. War es eine Begrüssung oder eine Richtungsangabe? Wer weiss? Ein Rätsel blieb auch: Welche Spionageameise hat diese
Leckerei entdeckt, wie und wie schnell wurde sie weitegeleitet und der Zugriff gestartet? Für
uns war es ein lehrreicher Ausflug in die Geheimnisse der Natur!
Während des Schreibens tat sich mir – wie kann es anders sein – wieder eine riesige Fabelwelt auf. Die Vorstellung, wie eine Ameise zufälligerweise dieser Schlemmerei begegnet, den Plan schmiedet, das in der Kolonie sofort zu melden, damit alle profitieren können. Der gemeinsame Aufbruch nach Erhalt der Botschaft. Die gemeinsame Freude und der gemeinsame Genuss des Sirups. Doch wenn ich mich richtig erinnere, schwankten die Rückkehrerinnen. Waren sie bekifft oder war es nur die Weitergabe der Botschaft? Auf jeden Fall stelle ich mir eine glückliche und zufriedene Rückkehr vor. Und eine neue Geschichte im Ameisenhaufen.
Leider las ich nach dem Schreiben über die Ameisenstrasse noch einen kurzen Artikel in der Baz vom Samstag: Ameisenschmuggel für der Schwarzmarkt – Chinese verhaftet am
Flughafen Nairobi. 2000 Ameisenköniginnen (messor cephalotes) einer roten, grossen Ameise aus Ostafrika. Begehrt von internationalen Sammlern. Es gibt ein grosses Netzwerk, Kostenpunkt für eine Ameise bis 400 Euro.
Gibt es da noch etwas zu sagen?
Von Verena Hess
Naturphänomene halten für vieles her. Naturmetaphern kennen wir z.B. als Wirbelwind, Plaudern wie ein Wasserfall und vieles mehr. Auch für uns Alte gibt es zeitweise Metaphern. So fand man “Rentnerschwemme”– 1998 in Deutschland sogar zum Unwort des Jahres gewählt – öfters in den Medien. Warum? Vielleicht braucht man gelegentlich einfach Feindbilder, die nicht zu hart zurückschlagen. Dazu eignen sich Alte gut. Sie twittern selten. Wenn sie protestieren, dann eher höflich. Sie schimpfen höchstens über Kinderlärm oder über Jugendliche; vielleicht auch über die rasante digitale Entwicklung oder übers Essen im Senevita.
Der Ausdruck “Rentnerschwemme” schafft Distanz zwischen alten Menschen und der Gesellschaft. Statt über notwendige strukturelle Reformen zu sprechen, werden die positiven Seiten der älter werdenden Menschen von der Gesellschaft radikal ausgeblendet. Uns sollte bewusst sein, wie sehr Sprache auch Wirklichkeit formt: Wer von “Schwemme” spricht, erzeugt Angst und Abwehr, baut Mauern. Wer hingegen von “Menschen, die älter werden” spricht, baut eher Brücken.
Vor allem ist erstaunlich, wie selektiv “Schwemmen” auftreten. In politischen Debatten tauchen sie auf, sobald ältere Menschen etwas kosten. Können jedoch dieselben Menschen irgendwo Geld ausgeben, verwandelt sich die bedrohliche Flut schlagartig in eine “attraktive Zielgruppe”. Nehmen wir als Beispiel Kreuzfahrten. Da wird aus der “Rentnerschwemme” eine “Goldene Generation” oder “Premierkundschaft”, aus Alten werden “Best Ager und “Silver Explorer”, solange das Geld sprudelt. Auch in Senioren-Anlagen ist keine Spur von Überflutung, nur “Komfort’ und “Exklusivität”. Die Menschen, die angeblich das Rentnersystem ruinieren, werden hier mit Schlemmerbuffets und Aktivprogrammen umgarnt.
Vielleicht ist dies ja die Pointe: Eine Flut, die nur dann ansteigt, wenn es politisch nützlich ist – und sofort versiegt, wenn Kreditkarten gezückt werden.
Der Rest ist Natur, eben Menschen, die alt werden, weil das zur Natur gehört.
Von Randolph Christen
Lange glaubte ich, unser Verhalten und unsere persönlichen Eigenschaften sind das Ergebnis unserer Umgebung – eine Folge der Erziehung. Doch je älter ich wurde, desto mehr zweifelte ich an dieser einfachen Erklärung.
Die Debatte zwischen «Nature» versus «Nurture» – zwischen Anlage und Umwelt – beschäftigt Wissenschaft und Philosophie seit Jahrhunderten. Prägen uns unsere Gene, oder macht uns die Erfahrung zu dem, was wir sind? Heute denke ich: Beides spielt eine Rolle, aber die Anlage ist mächtiger, als wir es uns oft eingestehen wollen.
Meine Überzeugung stützt sich auf zwei Quellen: auf wissenschaftlichen Befunden einerseits und auf persönlichen Erfahrungen anderseits. Die Wissenschaft zeigt – etwa durch Zwillingsstudien –, dass getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge trotzdem sehr ähnliche Persönlichkeiten entwickeln. Das deutet darauf hin, dass ein Teil unseres Charakters angeboren ist.
An mir selbst habe ich beobachtet, dass manche Eigenschaften mich mein ganzes Leben lang begleitet haben – eine Offenheit für neue Ideen, eine Neigung zur Vorsicht und zur Sorgfalt, sowie eine gewisse Zurückhaltung in grossen Gruppen. Diese Züge waren immer da, und haben sich im Verlaufe der Jahre nicht grundlegend verändert – nicht durch Reisen, nicht durch Lebenskrisen, nicht durch Lebenserfahrung. Sie blieben, wie eine Art innerer Kompass, der sich immer wieder auf denselben Punkt ausrichtet.
Die Psychologie spricht von fünf grossen Persönlichkeitsmerkmalen: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität. Forschung legt nahe, dass diese Persönlichkeitsmerkmale zu einem bedeutenden Mass genetisch veranlagt sind und über das Leben hinweg erstaunlich stabil bleiben. Das ist kein Fatalismus. Es bedeutet nicht, dass Wachstum unmöglich ist. Aber es bedeutet vielleicht, dass wir uns selbst ehrlicher begegnen, wenn wir akzeptieren: Ein Teil von uns war schon immer da – noch bevor die Welt begann, uns zu formen.
Von Madeleine Bollinger
Wir leben in und mit der Natur, wir selbst sind Natur. Leben ist Natur. Wo fühlen wir uns vollkommen lebendig? In der Natur. Wir Menschen sind so verschieden, dass jeder unter Natur etwas anderes sieht oder versteht. Ich z.B. fühle mich der Natur am nächsten in einem dichten Wald, an einem Bergbach oder Bergsee. Als ich ein kleines Kind war, suchte ich in den Ferien immer zuerst den Bach, und meistens musste ich nicht lange suchen. Und bei jedem Bach-Besuch fand ich einen von mir als einzigartig empfundenen Stein. Noch heute, trotz vielem Zügeln, habe ich etwa 40 Steine. Ganz langsam trenne ich mich von diesen Naturwundern, und jeder Besuch darf – wenn er möchte – einen Stein mitnehmen, ein Stück Natur.
Es spricht die Natur: Ich gebe euch so viel. Warum bekomme ich kaum etwas zurück? Ihr braucht mich, denn ihr könnt nur weiterbestehen, wenn ihr mich so liebt wie ich euch. Ihr Menschen seid meine Geschwister.

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