Donnerstag, 16. Oktober 2025

SPAZIERGANG


Planetenweg

von Verena Hess

Schon in jungen Jahren verspürte ich eine gewisse Leidenschaft für Planeten, habe aber schon damals zwei unterschiedliche Sichtweisen darauf entwickelt. Die wissenschaftliche Seite habe ich bald vernachlässigt, sie bot mir nicht die Nahrung, die ich brauchte. Ich suchte stets die Verbindung zwischen Fakten und Fantasie, eigentlich zwischen Wissenschaft und ich weiss nicht was. Das wird so bleiben bis zum Ende meines Lebens. Also werden nun in meiner Geschichte zwei sehr unterschiedliche junge Menschen, einen Planetenweg durchwandernd, ein Gespräch fūhren.

Linda und Stefan planen eine gemeinsame Wanderung zum Weissenstein. Ihr unterschiedliches Interesse an den Planeten ist ihnen bewusst, sie sind jedoch überzeugt, im Gespräch Trennendes und Gemeinsamkeiten zu finden, da sie sich eigentlich lieben. Linda ist als Physikstudentin eher auf Fakten, Stefan eindeutig auf Symbolik ausgerichtet. Im Rucksack eine warme Regenjacke, ein Käsesandwich, Äpfel und Nüsse, machen sie sich auf den Weg.

 1. Station: SONNE

«Die Sonne ist das Zentrum unseres Sonnensystems, unsere Lebensquelle, steht auch für Kernfusion und Strahlung», doziert Linda begeistert.

Und Stefan ergänzt, die Sonne symbolisiere auch den Willen und den individuellen Ausdruck, also die Persönlichkeit. Im Grunde dasselbe.

Linda verdreht nur die Augen. 

2. Station: MOND

«Der Mond steht für unsere Gefühlswelt, für das Traumhafte, die Intuition und verborgene Kräfte», schwärmt nun Stefan.

Doch Linda korrigiert, nein der Mond sei einfach ein staubiger Felsbrocken ohne Atmosphäre, der um die Erde kreise und die Gezeiten steuere.

«Er beeinflusst auch unsere Stimmung», behauptet Stefan.

«Nein, aber er beeinflusst die Ozeane. Deine Montagmorgenstimmung hat mehr mit dem Wochenende zu tun als mit dem Mond», widerspricht Linda.

«Und was mit den Vollmondnächten sei?», bohrt Stefan weiter.

Dies sei nur ein tolles Fotomotiv und eine schlechte Ausrede für schlaflose Nächte, findet Linda. 

3. Station: MERKUR

«Merkur steht für Kommunikation, Logik, Lernen und Lehren. Er ist der Götterbote, der den Menschen die Wahrheit des Universums zuflüstert», sagt Stefan.

«Oder einfach ein überhitzter, winziger Planet ohne Atmosphäre, niemand flüstere dort.» 

4. Station: VENUS

«Venus steht für Romantik, Schönheit und Harmonie», schwärmt Stefan bedeutungsvoll.

«Ja, Venus habe Temperaturen heisser als eine Pizza direkt aus dem Ofen und Wolken aus 
Schwefelsäure», meint Linda.

«Also ein leidenschaftlicher Planet», beharrt Stefan.

«Ja, leidenschaftlich dabei, alles zu verbrennen», wehrt Linda ab.



5. Station: MARS

Mars sei einfach eine rostige Wüste mit einem riesigen Vulkan, behauptet Linda rasch. 

«Das passt ja wunderbar, da braucht es den Helden mit viel Mars-Energie, mit Mut und Kampfgeist», pflichtet Stefan bei, dies sei ja die perfekte Arena für Heldentaten.

6. Station: JUPITER

«Planet des Glücks, der Fülle, des Wachstums, des Optimums», so beginnt Stefan voll Enthusiasmus.

«Oder schlicht ein gigantischer Gasball mit einem seit Jahrhunderten tobenden Sturm», erklärt Linda trocken.

«Also eine kosmische Glücksmaschine», so Stefan.

«Oder die intergalaktische Version eines kaputten Staubsaugers», witzelt Linda.

7. Station: SATURN

«Saturn symbolisiert Ordnung, Struktur, Disziplin und Verantwortung», doziert Stefan.

Linda beharrt darauf, Saturn habe vor allem Ringe aus Eisbrocken und Steinen, worin Stefan ein Symbol für Strukturen und Grenzen sieht. Linda lacht schallend.

8. Station: URANUS

«Uranus bringt plötzliche, unerwartete Veränderungen, steht für Innovation und 
Revolution», so Stefan.

«Er rollt auf der Seite durchs Sonnensystem.»

«Also der unkonventionelle Rebell unter den Planeten», meint Stefan begeistert.

«Oder einfach derjenige mit schlechter Haltung», ergänzt Linda ironisch. 

9. Station: NEPTUN

Stefan gesteht, Neptun fasziniere ihn besonders. Er stehe für Träume, fürs Unbewusste, für Intuition jedoch auch für Illusionen.

Linda beschreibt Neptun hingegen als eiskalten Gasriesen mit extremen Stürmen

«Also eigentlich ein Planet mit mystischer, geheimnisvoller Energie», meint Stefan hoffnungsvoll.

«Ja, mystisch, weil man nie genau weiss, was unter seinen Wolken steckt», antwortet Linda nüchtern und ernüchternd.

 Nach kilometerlangen, zum Teil witzigen Diskussionen stehen Linda und Stefan am Ende des Planetenwegs. Hier setzen sie sich auf einen gefällten Baumstamm und öffnen die Rucksäcke. Beide haben Hunger. 

Versöhnlich meint Linda: «Dein Mars mag Energie sein, meiner ist eine rote Sandwüste. Dein Mond beeinflusst unsere Gefühle, meiner höchsten die Bewegungen der Ozeane. Das Universum ist sicher gross genug für Fantasien und für Fakten.»

Und Stefan ergänzt, wahrscheinlich seien auch beide Wahrheiten wichtig. Vor allem sei zwischen Wissenschaft und Träumerei durchaus Platz für eine gute Freundschaft.


 

 Spaziergänge durch das Leben


von Randolph Christen

(KI-unterstützt)


Mit jedem Schritt knirscht der Kies unter meinen alten Schuhen. Der vertraute Weg am Waldrand ist mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen. Ich spüre, wie die frische Morgenluft meine Lungen füllt und der Tau das Gras glänzen lässt. Die Natur ist mein stiller Begleiter geworden, seit die Tage ruhiger und die Nächte länger wurden.

 

Ich gehe langsam, doch mein Geist wandert weit. Die Bäume, die sich im Wind wiegen, erinnern mich an die vielen Jahre, die ich schon auf dieser Erde bin. Im Frühling, wenn die Knospen sprießen, denke ich an meine Kindheit, an die Leichtigkeit und an das Staunen. Im Sommer, wenn die Sonne durch das Blätterdach bricht, spüre ich die Kraft der Jugend, die Abenteuerlust und die Freude an jedem Tag. Im Herbst, wenn das Laub bunt wird und sanft zu Boden fällt, sehe ich mein eigenes Leben: die Ernte der Erfahrungen, die Schönheit des Reifens. Und im Winter, wenn alles still und weiß ist, denke ich an das Ende, an den Abschied und an den Tod.

 

Manchmal macht mir das Älterwerden Angst. Die Gelenke schmerzen, die Erinnerungen verblassen, und die Freunde gehen. Doch auf meinen Spaziergängen spüre ich, dass alles seinen Platz hat. Die Natur zeigt mir, dass jedes Ende auch ein Anfang ist, und dass Vergehen und Werden zusammengehören. Ich lerne loszulassen – und zu vertrauen.

 

Wenn ich nach Hause zurückkehre, fühle ich mich leichter. Die Gedanken sind klarer, die Sorgen kleiner. Die Spaziergänge helfen mir, Frieden zu schließen mit dem, was war, und mit dem, was noch kommt. Ich bin dankbar für jeden Schritt, den ich noch gehen darf – und für die stille Weisheit, die mir die Natur schenkt.

 


Zwei Spaziergänge  

von Vreni Indlekofer


Meine Spaziergänge führen mich seit einiger Zeit fast alle himmelwärts. Sie scheinen aber deswegen nicht nur traurig und öde zu sein. Nein, es gibt dabei auch heitere Momente, zum Beispiel wenn ich daran denke, wie schön ich mit meinen Kindern die Zeit verbringen konnte. Viele glückliche Momente hatten wir. Ich sehe dabei eine Wiese voller bunter Blumen, die uns mit ihren bunten Köpfchen entgegenwinken. Aber unsere Arme sind zu kurz, um sie zu pflücken.  Die Blumen flüstern uns zu: "Lasst uns zusammen die schönen Momente geniessen", und so wissen wir, wir lassen die Blümlein stehen, damit viele andere Menschen auch daran ihre Freude haben. Als Dank erhalten wir von den vielen Blumen in der Wiese ein kleines Sträusslein geschenkt und das ziert immer unser Zimmer. 

So schöne Momente gibt es in den himmelwärtigen Spaziergängen zu erleben.


 

Der nächste Spaziergang wird ein finsterer werden. Der Weg, den wir benutzen, ist schmal und eng. Schliesslich stehen wir vor einer sehr steilen Treppe, die immer schmaler und schmaler wird. Über uns hängt plötzlich eine riesige Glocke. Sie bittet uns höflich, die Tür vor uns zu öffnen.

Und was glaubt ihr, steht vor uns? Der wahrhaftige Teufel. Meine beiden Kinder zittern vor Angst und ich meine mich sagen zu hören: "Du schmieriger Dreckskerl, hau ab in noch tiefere Gänge deines scheusslichen Hauses." Ich nehme die Kleinen ganz nah zu mir und wir hauen in aller Eile ab in unser so schönes und friedliches Daheim.


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