Mittwoch, 18. Februar 2026

 TÄUSCHUNG


Auf eine Täuschung folgt unweigerlich eine Enttäuschung

 und eine Beschämung, dass man sich täuschen liess.

(Madeleine Bollinger)



 

 

Von Verena und Gerhard Bächlin

 

Beim Tauschen 

versuchte man, mich zu täuschen

und viel zu viel zu hoischen.

 

Immer wieder werden wir Opfer von Täuschungen: persönlich oder allgemein.

Ein Mensch hat eine gute Meinung von jemandem, erfährt aber, dass diese Person ihn durch Täuschungsmanöver in seinen Bann zog. Ähnliche Täuschungen werden auch bei internationalen Konflikten angewandt, indem Falschmeldungen verbreitet werden. Die Bewohner sollen beruhigt werden, aber in Wirklichkeit ist es eine Täuschung und deshalb können sie ungeschützt angegriffen werden. Auch eine Beziehung kann durch Täuschung leiden, weil ein Partner ganz gezielt die Gegenseite täuscht, sodass das Opfer sich zurückzieht.

 

Oft wird der Ausdruck "du enttäuscht mich" in der Erziehung angewandt. Das kann von

Lehrpersonen und auch innerhalb der Familie geschehen. Ob diese Worte Besserung bringen ist fraglich.

 

Optische Täuschungen erleben wir vor allem in der Natur, aber auch wenn die Sehkraft nachlässt und man versucht die Täuschung zu erkennen und zu begreifen. Akustische Täuschungen entstehen oft durch Fehlschaltung oder durch räumliche Veränderungen, sowie auch durch Hörschäden und Hörhilfen.

 

Zwei Personen sahen sich täuschend ähnlich, wodurch ich einer TÄUSCHUNG zum Opfer fiel. Täuschungen sind oft persönliche Empfindungen und gehen an der Realität vorbei.






Von Verena Hess
 

Zur Zeit sind Fakes oder Fakenews in aller Munde. Ist Fake einfach die moderne Version der Täuschung? Gibt es einen Unterschied zwischen Fake und Täuschung? 

Fake ist die Illusion, die sich selbst feiert, also kann man sagen: Fake glänzt im Licht. Täuschung hingegen verschwindet im Schatten, will sich selbst verleugnen.

KI sagt, Täuschung sei der Prozess, der jemanden irreführt und Fake sei das Ergebnis, das Produkt. Mein fünfzehnjähriger Enkel hat eine eigene Interpretation und philosophisch betrachtet, ist Fake die Illusion, die sich selbst genügt oder sogar sich selbst feiert, und Täuschung ist die Illusion, die jemanden braucht, der darauf hereinfällt. Sicher ist, dass beide, Fake und Täuschung, jemanden brauchen, der sie glaubt.

Entfernen wir uns nun von den Mogeleien Europas und der USA.

Natürlich gibt es Täuschungen in unterschiedlichen Variationen. Was nicht sofort auf der Hand liegt, ist die Variante “Höflichkeit”, wie sie vor allem in den asiatischen Kulturen anzutreffen ist. Dort wirken Höflichkeit und Täuschung wie entfernte Verwandte. Sie benutzen ähnliche Werkzeuge wie Andeutungen, Auslassungen, Ausweichungen oder schlicht weiche Formulierungen, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. Und die Nähe sorgt dafür, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sie gelegentlich verwechseln. Dies fasziniert mich unglaublich. Z.B. in China ist Höflichkeit eine soziale Technik, um Beziehungen zu schützen, Konflikte zu vermeiden, Respekt zu zeigen und das Gesicht aller zu wahren. Da kann Höflichkeit indirekt, weich, ausweichend, manchmal sogar kreativ daherkommen. Die Absicht will jedenfalls positiv sein.

Täuschung hingegen will jemanden bewusst in die Irre führen, Verantwortung vermeiden oder gar einen Vorteil erlangen.

In vielen Kulturen ist also indirekte Kommunikation ein Zeichen von Respekt. In direkten Kulturen, wie der Schweiz oder Deutschland, wird dies rasch als Verschleierung oder als Ausweichen verstanden. Natürlich kann dies zu Missverständnissen führen.

Also: Höflichkeit will schützen – Täuschung will verstecken.

Wenn beide gleichzeitig auftreten, wird es schräg und kommt zu Missverständnissen.

Uns bleibt auf der ganzen Welt nur eine Möglichkeit offen: stets wachsam zu sein und hinter Fassaden zu blicken.




 

Von Randolph Christen

 

Ich gehe durch die Welt mit der stillen Überzeugung, sie zu verstehen. Ich sehe, höre, ordne ein, bilde mir eine Meinung – und halte sie für vernünftig. Erst später, manchmal viel später, merke ich: Meine Wahrnehmung war unvollständig, mein Verständnis verzerrt, meine Meinung falsch. Nicht spektakulär falsch, nicht grotesk daneben – sondern auf jene unscheinbare, alltägliche Weise, die sich erst im Rückblick zeigt.

 

Neue Erkenntnisse korrigieren mein Bild. Ein Gespräch, eine Zahl, ein Perspektivenwechsel. Ich passe meine Meinung an. Sie fühlt sich nun reifer an, differenzierter, besser begründet. Und doch weiß ich: Auch diese neue Version ist falsch. Vielleicht weniger falsch als zuvor, aber immer noch ein Provisorium. Eine Annäherung, kein Ziel.

 

Die Täuschung liegt nicht draußen in der Welt, sie sitzt in mir. Meine kognitiven Verzerrungen arbeiten zuverlässig und unermüdlich. Ich sehe Muster, wo keine sind. Ich bestätige, was ich ohnehin glaube. Ich überschätze meine Kompetenz, unterschätze den Zufall und erkläre mir die Vergangenheit so, als hätte sie zwangsläufig genau so kommen müssen. Mein Gehirn ist kein neutrales Messinstrument, sondern ein geschickter Geschichtenerzähler – und ich bin sein dankbares Publikum.

 

Diese Einsicht ist unbequem. Sie kratzt am Selbstbild des vernünftigen, autonomen Menschen. Aber sie ist auch befreiend. Wenn ich akzeptiere, dass meine Wahrnehmung begrenzt ist, muss ich sie nicht mehr verteidigen wie eine Festung. Ich darf zweifeln, zögern, meine Meinung ändern, ohne mich zu verraten. Ich darf sagen: «Ich weiß es nicht» – und das nicht als Schwäche, sondern als ehrliche Standortbestimmung.

 

Täuschung verschwindet nicht durch Erkenntnis. Aber sie verliert ihre Macht, wenn ich mir ihrer bewusst bin. Meine Aufgabe ist nicht, endlich recht zu haben, sondern meine Irrtümer zu verkleinern. Schritt für Schritt. Mit Neugier, mit Demut – und mit dem Wissen, dass auch diese Haltung nur eine vorläufige ist.

 



 

 Von Anita Bigler

 

Im Sommer während den Schulferien löse ich gerne die Sommersprossen-Rätsel in der BAZ von Minu. Ich suche persönlich nach Lösungen in unserer Altstadt, denn in dieser Zeit sind die Antworten im Internet gesperrt.

So habe ich auch die "Tromp-l'oeil" entdeckt, es heisst "täusche das Auge" und bezeichnet eine illusionistische Malerei oder Kunstform, die durch realistische Darstellung und Schattenwurf Dreidimensionalität auf zweidimensionalen Flächen vortäuscht. Der Begriff wurde um 1800 geprägt und hat das Ziel, den Betrachter durch eine verblüffende Täuschung zu amüsieren und zu überraschen. Man weiss zwar, dass man vor einer flachen Wand steht, aber die Augen nehmen trotzdem ein dreidimensionales Bild war. Diese Wandmalereien können atemberaubend sein.

 

Heute nutzen auch viele Strassenkünstler diese alte Technik. Das Gänseliesel-Wandbild am unteren Rheinsprung ist ein schönes Beispiel dafür. Samuel Burri hat es ca. 1978 geschaffen. Das Bild mit der Gänseliesel ist nachgemalt, denn das Haus am Rheinsprung gehörte damals dem Bettfedernproduzenten Richter, der ein Reklamebild an die Hauswand malen liess. Nun hat Samuel Burri im Tromp l'Oeil-Verfahren das Gerüst, auf dem er während seiner Arbeit stand, ins fertige Werk einbezogen und so gibt es diese lustige optische Täuschung.

 

Das Tromp l'Oeil beim Spalentor, Der Kraijenjoggi (ein Basler Original), wirft vom oberen Fenster Erasmus im unteren Fenster eine Feder zu. Ein Mädchen mit langen Zöpfen und ein Bub schauen lachend der fliegenden Feder nach und eine Basler Taube verirrt sich ebenfalls in diese Szenerie. In Wirklichkeit hat diese Hausfassade keine Fenster, es ist also eine gelungene Täuschung.

 

In Frankreich in Lyon führte uns ein Guide beim Stadtrundgang in eine ganz verrückte Strasse, links und rechts alles Tromp l'Oeil Fassaden. Ich wusste bald nicht mehr, was hinten und vorne, oben und unten war.

 

Ich möchte noch Zaha Hadid, die Architektin, erwähnen. Sie war am Bau des Stuhlmuseums und des Feuerwehrmuseums in Weil beteiligt. Ihr gelang die Täuschung, wenn man auf einem ebenen Boden steht, meint man er ist schräg und man kommt ins Taumeln. Sie hat in Innsbruck die berühmte Skisprungschanze Berg Isel gebaut, zuoberst ist ein Restaurant und da erlebt man diese Schräglage in der Toilette.




Von Doris Plüss

 

Mir kamen so viele Ideen bei dem Wort Täuschung in den Sinn, dass ich sofort daran glaubte, das ist ja selbst ein Täuschungsmanöver. Also machte ich es wie Randy und begab mich auf die Suche im Internet. Spinnst Du eigentlich hast Du eine Vollmeise? Das ist ja katastrophal, typisch Internet, das hört ja nicht mehr auf. Also verlasse ich das Internet und gehe selbst auf die Suche.

 

Plötzlich hatte ich das Gefühl, alles um mich herum ist eine Täuschung. Vieles wird auch

vorgetäuscht und endet in einer Enttäuschung!

An meisten vertreten bei den Täuschungsmanövern ist die Tierwelt. Angefangen bei den Insekten, den kleinsten, bis zu den grossen Elefanten und co. Allein die Brautschau und die Wahl eines Bräutigams ist ein Riesentäuschungsmanöver. Von den Farb- oder Formveränderungen bis zu den verschiedensten Tönen und Figuren sind alle Variante vorhanden. Doch auch das mächtigste Wesen in der Tierwelt, Homo sapiens sapiens, ist

der grosse Meister der Täuschung. Ich fang gar nicht an aufzuzählen, damit kann man Bücher füllen!

 

Nun, ich bleibe bei den Tieren. Spontan kommen mir die verschiedenen Täuschungsmanöver meiner ersten zwei Katzen in den Sinn. Sie waren der erste und letzte Wurf von Jane, der Katze meines Partners Markus. Wir kamen von einen Kurzurlaub zurück, als sie uns voller Stolz zwei kleine graue Wollknäuel mit noch geschlossenen Augen präsentierte. Ich war hin und weg, dazu brauchte es keine Täuschung.

 

Zwei Tage später kamen noch vier weitere Kätzchen von der zweiten in der Wohngemeinschaft lebenden Katze zur Welt. Zuerst versorgten die beiden Mütter ihre Jungen an verschiedenen Orten im Haus. Die eine in einem Korb hinter einem Fauteuil, die andere in einem Kleiderkasten in der Wäsche. Nach ca. sieben Wochen, als die kleinen Racker langsam selbstständig waren, wurden sie von ihren Müttern ins Zimmern von Markus gebracht, nicht nur zu seinem Vergnügen. Sein Schlafmangel war nicht zu übersehen. Am Wochenende konnte ich ihn ein bisschen entlasten und ich konnte die sechs Racker

geniessen und beobachten.

 

Ja, so jetzt komme ich erneut auf das Thema Täuschung. Sie wird in allen Lebenslagen benötigt. Vor allem wenn es ums Fressen geht. Nur schon wenn Markus sich Richtung Küche bewegte, wurde er von dieser kleinen Meute verfolgt. Nur eine schnelle Schliessung der Küche und Aushalten des Geschreis vor der Türe ermöglichte eine geregelte Nahrungsvorbereitung. Dann man staune, nach Erhalt der Köstlichkeiten war es ruhig und

voller gegenseitigem Anstand! Schlau wie kleine – und auch grosse Katzen – eben sind, umgingen sie das Zurücklassen vor der Küche, indem sie sich eine Zeit vor der Essensausgabe darin versteckten und ruhig auf den Essensverteiler warteten. Und dann … ex bex lieber Markus – Täuschung.

 

So gab es noch so viele Täuschungsmanöver dieser Katzen. Eine, die ich sogar fotografiert habe, muss ich Euch zum Schluss noch erzählen. Luci versteckte sich hinter einem grossen Blumentopf in Markus' Zimmer. Gina war auf der Suche nach ihrer Schwester im Anmarsch. Als sie auf Topfrandhöhe war, kam Luci aus ihrem Hinterhalt und überfiel sie. Das friedliche Gerangel ging los. War das eine Täuschung!? Nach Wikipedia ein deutliches Ja. Dort sind so viele Arten von Täuschungen aufgeführt, dass bewiesen ist, dass Luci Gina getäuscht hat. Dieses Täuschungsmanöver wiederholte sich in deren Leben natürlich auch umgekehrt noch x-mal.

 

Nach Wikipedia ist Täuschung eine Fehlvorstellung (Irrtum) durch nicht der Wahrheit oder

Wirklichkeit entsprechende Umstände oder Sinneswahrnehmungen hervorgerufen, die zu einer verkehrten Auffassung eines Sachverhaltes führen. Dabei ist es gleichgültig,

ob die Täuschung bewusst durch einen anderen herbeigeführt wird (jemand wird getäuscht) oder nicht (jemand täuscht sich selbst). Im ersten Fall spricht man auch von Irreführung (oder umgangssprachlich "Masche").

Bei meinen Katzen war es sicher eine Masche!

 

 

 

 

 

 

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